BuchPAARty

Aufgabe: Fünf Wörter von Instagram-Followern als Impulse für eine Kurzgeschichte

„BuchPAARty?“, las Inke verwundert. Auf dem Aktionstisch lagen jede Menge verpackte Bücher zwischen Herzkonfetti-Häufchen. Alle mit einem einzigen Wort beschrieben, verziert mit einer roten Schleife.
„Ja, ist das nicht eine wunderbare Idee?“, fragte Frau Crinkert, die Bibliothekarin. Inke verstand kein Wort, was ihrem Gesicht durchaus anzusehen war.
„Das geht so“, erklärte Frau Crinkert und beugte sich verschwörerisch zu ihr herunter. Inkes Stirn kräuselte sich. „Zwei Menschen lesen das gleiche Buch. Und alle, die mitmachen, werden zu unserer BuchPAARty eingeladen, bei der sie dann denjenigen treffen, der dieselbe Geschichte gelesen hat wie sie selbst. Hier in der Stadtbücherei!“, schwärmte Frau Crinkert. „Auf den verpackten Buchpärchen steht nur ein Wort – damit es spannender ist und man nicht weiß, welches Buch man bekommt. Siehst du?“ Sie zeigte zwinkernd auf zwei mit der Aufschrift „Blume“. „Wir beraten natürlich und wissen, welches Buch sich in den Päckchen befindet. Und in vier Wochen, ist das ausgeliehene Buch die Eintrittskarte für unsere Party“. So haben alle gleich ein wunderbares Gesprächsthema. Für nur 5 EUR, mit Getränken und Snacks!“
„Ah!“ Inke verstand und nickte, auch wenn sie es komisch fand, dass eine Bibliothekarin „Party“ mit zwei aa schrieb. Es hörte sich nach genau dem richtigen Geburtstagsgeschenk für ihre Mama an. Sie zog ihr Portmonee aus dem Rucksack und zählte die Münzen. „Kann ich eins für meine Mama mitnehmen?“ Frau Crinkert überlegte kurz. „Bist du denn sicher, dass sie das gut findet?“ Inke nickte. Eine Party würde ihrer Mama sehr gefallen.
„Also möchte sie jemanden Neues kennenlernen?“
„Freunde kann man nie genug haben, oder?“, fragte Inke.
„Da hast du auch wieder recht, wenngleich …“
„Beräts du mich jetzt?“, fragte Inke und pustete in ein Herzkonfetti-Häufchen, das sich zart rieselnd wieder auf die Pakete legte. Das war lustig.
„Was liest deine Mama denn gerne?“
„Sie mag diese Bücher mit den vielen Blumen. Meistens ist da eine Frau mit Hut drauf, oder ein altes Haus und eine verschnörkelte Schrift.“ Inke pustete nochmal.
„Ich verstehe“, Frau Crinkert lächelte und griff gezielt zu einem Buchpäckchen mit der Aufschrift „Sommerfunken“. Inke überlegte. Das war ganz schön dick. „Vielleicht doch etwas anderes?“ Inke ließ die Herzen erneut fliegen. „Etwas Lustiges?“
Frau Crinkert griff zur anderen Seite des Tisches. „Da würde ich dieses hier empfehlen.“ Auf dem Paket stand: „Mumpitz“.
„Nein.“ Inke wusste gar nicht, was das Wort bedeuten sollte und kratze sich am Kopf.
Frau Crinkert wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Diese Dating-Beratung schien nicht einfach zu werden. Inke stellte ihren Rucksack mit den ausgeliehenen Büchern ab. Er wurde langsam schwer.
„Etwas mit Tieren. Und mit Happy End“, sagte sie. Frau Crinkerts Augenbrauen hoben sich. Sie ließ ihren Blick diesmal länger über den Aktionstisch schweifen.
Dann drückte sie Inke das Buch mit der Aufschrift „Käfer“ in die Arme und legte einen Flyer mit den Daten der Buchparty obendrauf.
„Das könnte gut passen, glaube ich.“
Es war recht leicht und auch nicht sehr groß.
„Super. Nehme ich“, sagte Inke und kramte nach den Münzen. „Beide.“
„Beide?“, fragte Frau Crinkert.
„Klar. Denkst du, ich will nicht zur Party kommen.“
„Aber…“
„Keine Sorge, wenn uns langweilig wird, können Mama und ich auch mit den anderen über ihre Blumen und das Sommerdings und diesen Mumpitz quatschen.“ Dann nahm sie eine Handvoll Konfettiherzen und ließ sie „Happy-Birthday“-pfeifend in ihren Rucksack rieseln.
„Auch wieder wahr“, sagte Frau Crinkert lachend.

 
 

Foto: Sandra Rodenkirchen

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